Narzissten sind das Phänomen unserer Zeit. Wie aber gelingt der Umgang mit ihnen, eine Arbeits- oder Kundenbeziehung? Eine Gebrauchsanweisung. Mit PDF

Viele berühmte Persönlichkeiten gelten als Narzissten: Trump, Erdogan, Jagger, Dylan, Hoeneß, Gottschalk – die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Denn Narzissmus fördert die Karriere, und nichts schmeichelt den Narzissten mehr als die ungeteilte Aufmerksamkeit des Publikums.

Über Thomas Gottschalk kursiert eine hübsche Geschichte. In der Phase seiner größten Popularität soll er ein Marktforschungsunternehmen beauftragt haben, seinen Bekanntheitsgrad in Deutschland zu ermitteln. 96 Prozent – so lautete das beeindruckende Ergebnis. Gottschalk war aber alles andere als zufrieden. Seine Reaktion: „Und wie erreiche ich die verbleibenden 4 Prozent?“

Unstillbarer Drang nach Einzigartigkeit

Vielleicht stimmt diese Anekdote, vielleicht nicht. Das ließ sich nicht überprüfen. Plausibel ist sie aber auf jeden Fall. Und sie illustriert auf wunderbare Weise den unstillbaren Drang des Narzissten nach Größe, Ruhm und Einzigartigkeit. Auch im Kampf. Wir erinnern uns an Donald Trumps Reaktion auf die Einsetzung des Sonderermittlers zu möglicherweise verbotenen Kontakten seines Wahlkampfteams zu Russland: „Kein Politiker in der Geschichte wurde schlimmer oder unfairer behandelt als ich“, verkündete er. Ich, einzigartig. Kleiner hat’s der Narzisst nun mal nicht.

Narzissten faszinieren mit ihrem Charisma

Unter Berühmtheiten ist Narzissmus ein weit verbreiteter Special Effect. Wer vorne die Show macht, wer das Stadion rockt, im Bierzelt die Wähler begeistert, das Publikum vor den Bildschirmen fasziniert, wer so viel von sich zeigt und im Jubel der Massen über sich hinaus wächst – der hat es leichter, wenn er sich ohnehin für den Größten hält. Und erobert das Publikum im Sturm. Große Narzissten findet man oft dort, wo ihnen möglichst viele Menschen zu Füßen liegen. Sie brauchen das Rampenlicht, den großen Auftritt. Ihr Bedürfnis nach
Bewunderung ist grenzenlos. Das Verblüffende: Sie wird ihnen auch sehr oft entgegengebracht – das Charisma, das aus ihrer übersteigerten Selbstgewissheit erwächst, fasziniert viele Menschen.

Als Chefs sind Narzissten die Pest

Und wie geht’s den Kollegen, den Mitarbeitern, den Untergebenen? Borwin Bandelow, Professor für Psychiatrie in Göttingen und Gitarrist in der Ärzte-Band „Hot Docs“, sagt es so: „Als Rocksänger können Sie zu spät zur Bandprobe kommen, nicht ein einziges Mikrofon aufbauen, und Sie werden beim Konzert trotzdem allein umjubelt. Und danach räumen die anderen Musiker den Mist wieder ab.“ Kommt uns irgendwie bekannt vor. In der Zusammenarbeit sind Narzissten, seien wir ehrlich: die Pest. Sie wollen allein entscheiden, halten ihre eigenen Ideen für göttlich, die der anderen für kompletten Unsinn. Sie bestimmen, kritisieren mit Hingabe und sind zugleich die größten Mimosen unter der Sonne. Sie fordern Lob, Begeisterung, Bewunderung und reagieren auf die leiseste Kritik zutiefst beleidigt. Sie, die Super-Egos, haben überhaupt kein Problem damit, andere für sich einzuspannen, ohne je etwas zurückzugeben. Und sie können völlig unerwartet den Kontakt abbrechen, wenn ihnen irgendetwas nicht passt.

Und warum tun wir Normalos uns das an (Sie sind doch, wie ich, ein Normalo, oder)? Weil wir den Willen, von anderen bewundert zu werden, auch in uns spüren – und von denen, die da vorne am Bühnenrand die richtig große Show abliefern, natürlich profitieren. In ihrem Glanz können auch wir uns ein bisschen sonnen, in ihrem Windschatten kommen auch wir voran. Narzissten haben diese unerschöpfliche Energie, diesen Willen, etwas Großes zu leisten. Und das ist bekanntlich eine Grundvoraussetzung, um ein Star zu werden, ob im Showbiz, als Vortragsredner oder Vorsitzender im wichtigsten Branchenverband.

Viele Narzissten wurden früh gekränkt

Wie wird man das eigentlich: Narzisst? Es ist eine traurige Geschichte. Schon die frühe Kindheit prägt die tiefe Kränkung, dass die Eltern einen nicht so annehmen, wie man auf die Welt gekommen ist. Wer ein Junge werden sollte, ist leider ein Mädchen geworden, wer lieb und sanft gewünscht war, ist laut und ungestüm, wer in eine Juristenfamilie geboren wurde, will nichts anderes als Schauspieler, Maler oder Rockstar werden. Das Kind erlebt, dass es so, wie es ist, falsch ist und nicht geliebt wird. Und macht fortan eine brillante Show, um eben doch angenommen und geliebt zu werden. Aus der tiefen Kränkung entsteht die unstillbare Gier nach Bewunderung. Die überdecken soll, das man sich im tiefsten Innern eigentlich wertlos fühlt (und deswegen auch keine Kritik ertragen kann).

Narzisstische Anteile hat jeder von uns. Klar, wir alle wollen gelobt und geliebt werden, fühlen uns besser, wenn wir Wertschätzung und Anerkennung erleben. Die Grenze zum Narzissmus ist erreicht, wenn einer die Abwertung anderer braucht, um sich selbst gut und wertvoll zu fühlen. Wenn er so sehr auf die eigenen Bedürfnisse fixiert ist, dass die der anderen komplett unwichtig werden. Das schafft in der Zusammenarbeit unerträgliche Spannungen.

PDF: Gebrauchsanweisung für Narzissten

Aber wie gehe ich denn nun um mit einem Narzissten als Vorgesetzen, Kollegen oder Kunden, mit dem Typen vorne am Bühnenrand, im Chefsessel, auf der Überholspur? Hier kommen die wichtigsten Regeln in einem PDF: die Gebrauchsanweisung für Narzissten.

Narzissmus im Coaching

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