Songs, die wir geliebt haben, können wertvolle Energien in uns aktivieren. Wir können sie gezielt zur Verwirklichung neuer Ideen nutzen.

Die Szene ist magisch. Wir sehen das wunderbar gealterte Gesicht einer 90jährigen Frau. Sie ist dement und kann dem Interviewer kaum eine Frage beantworten. Dann bittet er sie um einen Gefallen. Ob er ihr Kopfhörer aufsetzen darf? Dann hört sie die Stimme von Lewis Armstrong. Er singt „When The Saints Go Marchin‘ In“. Ihre Augen werden groß, das Gesicht öffnet sich – und sie beginnt zu erzählen! Wie es damals war, als sie zur Schule ging! Wie sie Armstrong gegen das Verbot ihrer Mutter hörte! Dann sprudeln die Erinnerungen nur so aus ihr hervor. Schließlich lacht sie übers ganze Gesicht, nimmt ihren übergroßen Kuschel-Snoopy fest in den Arm und sagt: „Ich wusste nicht, dass ich so viel reden kann!“

Die aktivierende Kraft der Musik

Es ist die erste Szene eines zu Tränen rührenden Films: „Alive Inside“. Er illustriert, wie tief die Verknüpfung von Musik und Erinnerung reicht. Wie selbst an Alzheimer erkrankte Menschen wieder aktiviert werden können, weil die Musik eine Energie in ihnen weckt, die längst verschwunden schien.

 

Mithilfe von Musik die Sehnsucht wecken

Wir alle kennen diesen Effekt: Hören wir ein bestimmtes Musikstück, einen Song oder auch nur eine Melodie, werden unmittelbar Erinnerungen an Situationen und Erlebnisse wach. Neurobiologisch ist das leicht zu erklären: Klänge verankern sich tief im Gedächtnis, stärker als viele andere Sinneseindrücke. Das Besondere an der Erinnerung an Songs: Sie ist stark mit Emotionen verbunden. Und genau das spielt für die Qualität der Erinnerung eine wichtige Rolle: Ihre Verknüpfung mit diesen Emotionen, positiven oder negativen, macht sie so lebhaft und intensiv.

Das autobiografische Gedächtnis erforschen

Musik, die uns bewegt, kann uns deswegen helfen, unser autobiographisches Gedächtnis zu erforschen. Das kann einfach nur Spaß machen. Aber es kann auch einem Ziel dienen. Die Lieblingssongs aus einer bestimmten Zeit können Energien in uns wachrufen, die wir genau jetzt brauchen:

  • für eine Neuorientierung;
  • um das Rebellische in uns zu wecken;
  • um ein vergessen geglaubtes Gefühl von Freiheit zu erleben;
  • um endlich an einen Traum anzuknüpfen, den wir aus dem Blick verloren hatten.

Und das ist dann wahrhaft „Coaching mit Groove“. Deswegen nutze ich Lieblingssongs so gerne im Coaching-Prozess und in meinen Seminaren zum autobiografischen Schreiben.

Musik aus der Zeit, als die Welt uns offenstand

Denn jede/r von uns erinnert sich an eine Zeit, in der wir unsere Idee von einem erfüllten Leben genau vor uns sahen. Als uns die Welt offen zu stehen schien. Es mag nur eine kurze Zeit gewesen sein, bis wir dann Entscheidungen trafen und aus der Vielfalt der Wege einer ausgewählt war, den wir gegangen sind. Ob wir die Entscheidung heute noch gutheißen oder bedauern: Die meisten von uns empfinden, dass damals etwas liegen geblieben ist, das sich anzuschauen lohnt. Das sich vielleicht noch erfüllen will – gerade jetzt! Wie aber kommen wir mit der Kraft, der Hoffnung, der Verheißung dieser Zeit wieder in Kontakt? Es gelingt mithilfe der Musik, die wir damals gehört haben.

Die Playlist unseres Lebens

Es geht ganz einfach.

  • In alten Platten und CDs kramen;
  • In Spotify oder Apple Music einen Song anspielen und schauen, welche weiteren vorgeschlagen werden;
  • Eine Playlist erstellen, sie Song für Song abspielen, dabei die Anlage aufreißen und erleben, welches Gefühl sich zeigt;
  • Auf das breite Grinsen warten, das sich unvermeidlich einstellen wird;
  • Und dann mal nachspüren und aufschreiben, welche Ideen auf einmal wieder sehr präsent sind.

Die Songs wichtiger Jahre der Biografie lassen sich auch gezielt suchen: anhand der Hitlisten jener Jahre. Hier zwei Links, die bei der Suche helfen.

https://www.offiziellecharts.de/charts/single-jahr

http://www.chartsservice.de/historyd.htm

Wer Interesse daran hat, mehr aus den Erinnerungen zu machen: Ich biete Autorencoaching an.

Foto: Screenshot „Alive Inside“

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