Um Ruhe, Kraft und Zeit in unserem Leben zu etablieren, brauchen wir vor allem: Ruhe, Kraft und Zeit. Wie lässt sich dieses Paradox auflösen? Aus: Psychologie Heute compact „Vom Glück des Weniger“

Es war im Jahr 1996, als der Philosoph Hans Magnus Enzensberger prophetische Worte über den Luxus der Zukunft schrieb: „Knapp, selten, teuer und begehrenswert sind in Zeichen des wuchernden Konsums nicht schnelle Automobile und goldene Armbanduhren, Champagnerkisten und Parfüms, Dinge, die an jeder Straßenecke zu haben sind, sondern elementare Lebensvoraussetzungen wie Ruhe, gutes Wasser und genügend Platz. Merkwürdige Verkehrung einer Logik der Wünsche: Der Luxus der Zukunft verabschiedet sich vom Überflüssigen und strebt nach dem Notwendigen.“

Zu jener Zeit war das Internet noch eine Spielwiese für Nerds, hatte Amazon kaum ein paar Bücher verkauft, waren es noch acht Jahre bis zur Gründung von Facebook und elf Jahre bis zur Premiere des Smartphones. Es war eine andere Welt. Diese Erfindungen haben sich seither als Brandbeschleuniger des Konsums erwiesen, ja, sie haben sogar unsere Wahrnehmung kommerzialisiert. Und so sind, wie von Enzensberger vorhergesagt, die Luxusgüter der Zukunft immer kostbarer geworden: Zeit, Aufmerksamkeit, Raum, Ruhe, Umwelt und Sicherheit.

Die brennende Sehnsucht: Eine Pause! Bitte!

Heute werben österreichische Bergdörfer damit, dass Handys dort keinen Empfang haben und die Unterkünfte keine TV-Geräte. Dass es dort nachts still ist und wirklich dunkel. Ruhe, Ursprünglichkeit und Natur sind mehr denn je zum Werbefaktor geworden. Auf einschlägigen Internetseiten lernen wir, dass man auch auf einer 600 Kilometer vor der Küste Australiens gelegenen Vulkaninsel namens Lord Howe Island Urlaub vom Handy machen kann, so wie in den Wäldern Kanadas und in der Wüste von Namibia (könnte man das Ding nicht einfach ausschalten oder zu Hause lassen?). Und je schlichter die Einrichtung der Unterkunft, umso höher der Preis.

Im größten Überfluss erleiden wir drängenden Mangel. Und spüren in der Brust brennende Sehnsucht: Eine Pause! Bitte!

Das Dumme ist nur: Sind wir angekommen, wo es wirklich still ist und nichts als die Natur unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht, empfinden wir schon nach kurzer Zeit wieder den Sog, den der Alltag ausübt. Wir ertappen uns beim Blick nach dem Smartphone, das nutzlos in der Ecke liegt. Und erleben, wie die Stille immer lauter wird. Nach dem Zuviel kommt der Entzug. Und erst danach können wir tatsächlich so etwas wie Entspannung genießen. Wir finden zurück in unsere Mitte. Wie schön wäre es, dort eine Zeitlang zu bleiben.

Hier geht’s zum kompletten Beitrag

Wie das gelingt, lesen Sie in meinem Beitrag für PSYCHOLOGIE HEUTE, der Einleitung des compact-Hefts „Vom Glück des Weniger“. Das PDF des kompletten Artikels finden Sie hier.

Foto: GettyImages

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Wir freuen uns über Ihren Beitrag!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.