Zynismus blockiert die Karriere

Haltung: Zynismus

Zyniker sind chronisch übelgelaunt. Sie vermuten überall Hintergedanken und böse Absichten. Das stresst – vor allem die Zyniker selbst. Ihr Zynismus führt zu einem freudlosen, ungesunden, oft nicht einmal materiell erfolgreichen Leben. Gibt einen Ausweg aus dieser destruktiven Haltung?

Da hatte sich einer von allen Annehmlichkeiten des Lebens losgesagt, eine Tonne zum Wohnort gewählt und formulierte als einzigen Wunsch an den mächtigsten Mann der Welt, der möge ihm doch aus der Sonne gehen. Diogenes von Sinope hieß der Mann, und wir kennen ihn noch 2500 Jahre später. Was fasziniert uns an Diogenes? Sein Mut, Alexander dem Großen mit dieser Provokation zu begegnen? Die innere Freiheit, die aus seiner Antwort spricht? Oder schlicht die Coolness, dem Herrscher gleichsam den gestreckten Mittelfinger entgegenzuhalten?

Ein Kollege mit Zynismus? Lieber nicht.

Was die Sympathie für Diogenes deutlich erleichtert: Er wohnt nicht in unserer Nachbarschaft. Er ist auch kein Kollege, mit dem wir ein nächstes Projekt erfolgreich absolvieren sollen. Und als Freund wünschen wir uns auch eher jemanden, der seinen Mitmenschen freundlich und nicht mit demonstrativer Verachtung entgegentritt. Denn im Unterschied zum Philosophen Diogenes, der zu den wichtigsten Vertretern der Kyniker gehörte, sind die nach ihnen benannten Zyniker alles andere als beliebt.

Olga Stavrova, Sozialforscherin an der Uni Köln, beschreibt das Phänomen: „Zyniker werden von anderen Menschen nicht als positiv oder angenehm wahrgenommen, ihre Haltung ist ein Anlass für Diskriminierung. Und auf die Weise wird der Zyniker tatsächlich weniger respektvoll behandelt als der Idealist. Was seine Haltung bestätigt.“ So füttert der Zynismus sich selbst.

Zynismus führt beruflich ins Abseits

Es kann nicht überraschen, dass Menschen mit dieser Einstellung beruflich hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben. Das hat der Unternehmensberater und Psychologe Winfried Berner immer wieder beobachtet. „Zyniker sind häufig Menschen, die sich im Abseits befinden. Auch solche, bei denen man erst einmal denkt: Mensch, wie kann jemand mit diesem klaren Blick hier als einfacher Gruppenleiter eingesetzt sein? Wenn man sie dann besser kennenlernt, versteht man warum.“ Das Misstrauen und ihre Verachtung der Kollegen und des Management, häufig des Unternehmens selbst, blockieren die Karriere.

Winfried Berner spricht von einem selbstgebauten Gefängnis. „Zyniker haben sich auf eine Position und Grundhaltung festgelegt und wollen unter keinen Umständen den Eindruck entstehen lassen, dass sie von ihrer sorgsam analytisch begründeten Einsicht, was das für ein korruptes Unternehmen sei, abweichen. Dass sie sich jetzt womöglich haben einkaufen lassen! Und deswegen tun sie sich schwer wie trotzige Schulbuben, aus ihrer Ecke herauszukommen.“

Ein Ausweg: Heilung als Rache

Manchmal habe man Glück und könne einen solchen Mitarbeiter in einem Veränderungsprojekt mitnehmen, berichtet Berner. „Dafür muss es gelingen, mit ihm über diese ganze Situation zu reden – was sehr schwierig ist, weil diese Leute sich nur sehr schwer öffnen.“ Die zweite, noch schwierigere Option: Der Zyniker gestehe sich sein Leiden ein. „Und dann wäre folgendes Angebot im Gespräch sinnvoll: ‚Angenommen, ich wäre mutiger, dann würde ich …’ – zum Beispiel aus diesem Scheißladen rausgehen und mir etwas anderes suchen. Um wie viel unglücklicher kann ich noch werden, wenn ich die Firma wechsle? Das Potenzial nach unten ist ja doch schon ziemlich ausgeschöpft.“

Es gibt eine weitere Option: Heilung als Rache. Lesen Sie hierzu den kompletten Artikel „Sei doch nicht so zynisch“, den ich für das Magazin Psychologie Heute geschrieben habe. Sie finden ihn hier.

Foto: Kim Schneider, Adobestock

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