Probleme anschauen macht zufriedener

… sagen Glücksforscher. Aber nur, wenn wir uns dabei manchmal Pausen gönnen.

Ein Satz wie dieser bleibt hängen: „Personen, die sich bewusst mit Lebensproblemen auseinandersetzen, (sind) zufriedener als diejenigen, die diese Probleme verdrängen.“ Er stammt aus dem faszinierenden Buch „Coaching, Beratung und Gehirn“ von Gerhard Roth und Alica Ryba (Klett-Cotta, Stuttgart 2016) und bezieht sich auf eine Studie des berühmten Glücksforschers Ed Diener. Der formulierte diesen Aphorismus: „Der Weg zum Glück führt nicht um das Leid herum, sondern durch das Leid hindurch.“ Was für eine schöne Bestätigung für Leute wie mich, die ein gewisses Faible für, nun ja, schwierige Themen haben.

Vermeidungsverhalten und Lebenszufriedenheit

Andererseits: Ist das nicht eine Binsenweisheit? Wissen wir nicht ohnehin, dass Vermeidungsverhalten eine untaugliche Strategie der Problembewältigung ist? Dass die meisten Probleme, um die wir uns herumdrücken, die unangenehme Angewohnheit haben, danach drängender, größer und wuchtiger auf uns einzustürzen?

Ganz so einfach ist es nicht. In einer Studie der Universität von Toronto kam zu Tage, dass Vermeidungsverhalten durchaus zu mehr Lebenszufriedenheit führen kann: Weil es uns ermöglicht einfach mal Pause zu machen, durchzuschnaufen, schöne Dinge zu erleben und uns dann besser gelaunt und kompetenter wieder der Problembewältigung zuzuwenden.

Orientierung auf Ressourcen

Die Frage ist offenbar nicht, ob wir uns um unsere Lebensprobleme kümmern, sondern wie wir das tun. Es ist eine Gratwanderung: auf der einen Seite die Probleme mit ihrer magischen Anziehungskraft und ihrer Fähigkeit, uns in Gedankenkreisel zu fesseln. Auf der anderen Seite die Verdrängung und die tröstliche Vorstellung, die Unbilden des Lebens würden sich auf zauberische Weise selbst erledigen.

Dazwischen schlängelt sich ein schmaler Pfad. Er ist nicht immer leicht zu finden. Aber dafür ist Coaching da: Wir schauen unsere Probleme an, werden uns bewusst, wie sie uns bedrängen und welche Gefühle sie in uns auslösen. Aber dann schieben wir sie für einen Moment beiseite und werden uns bewusst, dass es auch schöne Dinge in unserem Leben gibt, die wir prima hinbekommen und denen wir und nun widmen. Das nennt sich auch „Ressourcenorientierung“. Wie sie gelingen kann? Es ist eine Frage der Übung.

Foto: Nomadsoul1, Thinkstock

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